Montag, 6. November 2017

Zurück von der AnRUFung

Es tut mir sehr leid, dass ich in letzter Zeit so wenig schreibe und vor allem, dass letzte und diese Woche kein Bericht zu unserer Cthulhu Kreuzfahrer Kampagne gekommen ist. Die Gründe sind einfach: Umzugsstress und die diesjährige RUF! Da es meine erste war, möchte ich euch natürlich an meinen Erlebnissen und Eindrücken von der Cthulhu Con teilhaben lassen.


Die Con fand in diesem Jahr auf Burg Hessenstein statt, einer abgelegenen, zur Jugendherberge umgebauten Burg. Freundlicherweise wurden wir von der Orga vom Bahnhof abgeholt und die netten Herren brachten sogar unsere Koffer auf unsere Zimmer. Was für ein Service!

Auf den ersten Blick wirkte die Burg sehr unübersichtlich, es gab viele Treppen und noch mehr Türen. Mein Zimmer war dafür schön geräumig, immerhin war es für 8 Personen ausgelegt - ich war die einzige Frau inmitten von 7 Herren, die hier ebenfalls nächtigen sollten. Direkt ans Zimmer angeschlossen gab es ein großes, renoviertes Badezimmer, also ein richtig schickes.

Schnell wurden die Betten bezogen, dann ging es zur Begrüßung wieder nach unten - mein Zimmer befand sich zum Glück im 1. Stock, der Weg war also nicht so weit. Unser lieber SL, der auch mitgekommen ist, durfte allerdings ganz oben im 4. nächtigen. Nach einer kurzen, knackigen Ansprache der Orga schwärmten wir aus, die Burg zu erkunden. Mit Fotos der Burgkarte auf dem Handy zeigte sich schnell, dass das scheinbare Labyrinth eigentlich gar nicht so verwirrend war. Wir fanden uns also ziemlich schnell zurecht.

An diesem Abend ging es dann auch gleich mit der ersten Spielrunde los: Der schwarze Ritter. Dabei handelt es sich eigentlich um ein Abenteuer für "Pendragon", ein altes System mit vielen Bezügen zur Arthus-Saga. Der SL hatte es auf Cthulhu umgemünzt und so stürzten sich 5 wackere Helden ins mittelalterliche Getümmel. Die Charaktere und vor allem das Charakterspiel waren herrlich und ein super Einstieg. Ich hatte ja befürchtet, dass mir das Spielen schwerfallen könnte, da ich gegenüber fremden Personen sehr schüchtern bin, aber es fiel mir erstaunlich leicht, ingame aus mir herauszukommen.

Es wurde Mitternacht und die Runde endete. Mittlerweile war es deutlich kälter geworden und auch im Zimmer war es trotz Heizung recht frisch. Und als sich die Nacht einstellte, kamen die Probleme. Ich weiß nicht, wer diese Bettdecken hergestellt hat, aber er sollte das nicht mehr machen, denn sie ließen jegliche Körperwärme entweichen, sodass es selbst unter der Decke nicht warm werden wollte. Lattenrost und Matratze waren gefühlt steinhart, sodass ich keine angenehme Schlafposition fand, da mir jede nach kurzer Zeit Rückenschmerzen bereitete. Und dann war diese verfluchte Burg auch noch so hellhörig wie eine japanische Wand aus Reispapier, sprich: Man hörte alles! Die Party von unten, das Lachen von oben und alles, was sonst noch so im Gebäude geschah. Zu guter Letzt war einer der Herren ein passionierter Schnarcher. Er schnarchte fast durchgängig und schien zwischendurch auch keine Luft holen zu müssen. Zwei der anderen stimmten zwischendurch mal kurz mit ein, hörten aber nach kurzer Zeit wieder auf. Ich glaube, einige meiner Zimmergesellen sind auch öfter durch den Schnarcher geweckt worden. Um 4 Uhr schaute ich das letzte Mal auf die Uhr, danach bin ich irgendwann vor Erschöpfung eingeschlafen, aber erst, nachdem ich bereits Pläne ersonnen hatte, nach denen ich am nächsten Tag direkt wieder abreise, um mir eine weitere Horrornacht zu ersparen.

Beim Frühstück erfuhr ich dann, dass viele andere Gäste aus anderen Zimmern und Etagen meine Eindrücke teilten. Später konnte ich mir von neu kennengelernten Freunden ein Paar Ohropax erbetteln, sodass ich den kommenden Nächten mit deutlich weniger Furcht entgegenblickte. An diesem Morgen war ich jedoch so unendlich müde, dass ich dem langersehnten Spielleiterworkshop kaum folgen konnte und mich schließlich davon zurückzog, um noch eine Stunde zu schlafen, bevor es dann hieß: Innerhalb einer Stunde Mittagessen, dann schnell in ein schwierig anzuziehendes Kleid schlüpfen und zur nächsten Spielrunde hasten.

Die Runde in Verkleidung wurde von genau der Autorin geleitet, die auch Der Club der Witwen verfasst hat. Dieses Mal spielten wir (die einzige Runde, die mein SL und ich gemeinsam hatten) Dantes Tagebücher, wobei leider nicht so viel Zeit in der Hölle verbracht wurde, wie wir erhofft hatten. Das Charakterspiel war aber wieder sehr schön und auch ein wenig frivol.

Nach dem Abendessen ging es dann für mich in die Tiefsee auf die Unterwasser-Forschungsstation Tangaroa. Ich muss gestehen, ich hatte ein bisschen das Spiel Bioshock im Kopf, als ich die Beschreibung gelesen und mich angemeldet habe. So war es dann selbstverständlich nicht, aber Spaß gemacht hat es trotzdem. Wir haben zwar sau schlecht gewürfelt und entsprechend nur wenige Hintergrundinformationen erhalten, aber es war trotzdem ziemlich cool. So im Nachhinein finde ich, dass die Enthüllung des Gegners etwas abrupt kam und nicht so ganz das war, was ich erhofft hatte. Das Ende war dann eher ein kurzer, brutaler Kampf als eine Begegnung mit dem Horror, was ich ein wenig schade finde. Spaß gemacht hat es aber trotzdem.

Durch den Schlafmangel war ich dermaßen müde, dass ich die Cthulhoide Filmnacht ausfallen ließ und recht schnell - dank Ohrstöpseln - einschlief. Gern hätte ich bei Tangaroa mehr Feedback gegeben, aber ich war einfach nur fertig. Trotz einer durchschlafenen Nacht war ich auch am nächsten Morgen ein wenig müde, aber mein nächster Workshop war interaktiv genug, dass ich mich davon ablenken konnte. Ich darf leider nicht zu viel verraten, aber wir vier arbeiteten an einem neuen Szenario - und werden dies auch jetzt nach der Con weiterführen -, welches möglicherweise auf der nächsten RUF zum Testen angeboten werden wird. Ich muss sagen, die Charakterhintergründe sind wundervoll! Mich interessiert wirklich sehr, wie das Spiel ankommt.

Nach einem erneut etwas gehetzten Mittagessen nahm ich dann an einem Storytelling Spiel teil: The Society of Dreamers. Es erinnert etwas an Spiele wie Ten Candles oder Geh nicht in den Winterwald, kommt dabei aber ohne Würfel aus und hat eine deutlich komplexere Erzählstruktur. Ich würde schon sagen, dass dies meine Lieblingsrunde auf der Con war. Das Zusammenfädeln von Kindheitsszenen der sich unbekannten Charaktere zu einem größeren Bild, über die Gründung der Gesellschaft bis hin zu deren Begegnung mit den Traumfressern - es war wunderbar. Und das Ende war schon ziemlich traurig...

Hiernach realisierte ich, dass die Con bereits fast zu Ende war. Nur noch eine Runde lag zwischen mir und ihrem Höhepunkt, dem Ball zu Ehren des Königs in Gelb. Und so schnappte ich mir meinen Schulterdrachen und machte mich auf den Weg zum Weihnachtsdämon. Das zugrundeliegende Regelwerk heißt Bäronomicon und ist glaube ich noch gar nicht veröffentlicht. Es ist das neue Werk eines der Autoren von Plüsch, Power und Plunder und geht anscheinend um eine Spezialeinheit von Kuscheltieren im Kampf gegen das Böse. In unserem Fall mussten wir den Weihnachtsmann retten und Krampus besiegen.

Anschließend war noch etwas Zeit, in der ich mich in Ruhe umziehen konnte, dann ging es auf den Ball. Mein Warten auf meinen SL war leider vergebens, da dessen Spielrunde sich um etwa 2 Stunden verlängerte. Der Ballsaal war mit sehr passender Deko versehen, von der ich leider kein Bild gemacht habe. An den Balken war ein Abbild des Königs in Gelb angebracht worden: Ein Schädel mit goldener Krone, Drähte und lange gelbe Stofffetzen wallten um ihn herum. Es sah richtig gut aus!

Am nächsten Morgen dann die Abreise. Es war eine schöne Zeit auf Burg Hessenstein. Ich habe viele neue und vor allem nette Leute kennengelernt und viele schöne Spielrunden gehabt. Leider hat die Burg selbst dieses Erlebnis deutlich getrübt und mich mit einem schmerzenden Rücken, einer Erkältung und drei Tagen Dauermüdigkeit zurückgelassen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das nächstes Jahr wiederholen möchte...

Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Danke für das Feedback :)

    Also - für 2018 sind wir wie gesagt noch mal auf Hessenstein (aus Mangel an Alternativen) In Bezug auf Scharchende Zimmergenossen etc. lässt sich aber bestimmt was machen. Auch Oropax werden wir 2018 in größerer Menge mitnehmen, vielleicht sind die auch wieder ein guter Kandidat für die Contüte. Es gab auch einen Besucher, der in einer Pension im Nachbardorf genächtigt hat, da kann ich auch Kontakt herstellen, falls gewünscht.

    Ansonsten hoffen wir natürlich, dich dann spätestens 2019 in einer neuen Location wieder begrüßen zu dürfen :)

    Viele Grüße
    Antonia
    (für das Team RUF17)

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    1. Hi. Danke für die Antwort. Ich werde mal schauen, ob ich nächstes Jahr komme oder nicht. Ist ja noch ein wenig Zeit bis dahin.

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  3. Hey, es freut mich sehr, dass Dir das Spiel mit der Society so gut gefallen hat. Schade, dass die Umstände unglücklich waren. Hoffentlich sehen wir uns trotzdem wieder im nächsten Jahr, Wladimir jedenfalls hast Du großartig gegeben. Liebe Grüße Marcus

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    1. Danke für die Blumen :D Wenn ich in den nächsten Tagen mit meinem Umzug durch bin, schreibe ich vielleicht auch einen ausführlichen Spielbericht über unsere Runde. Die hat wirklich Eindruck hinterlassen.

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    2. Das fänd ich natürlich zauberhaft! Wenn ich Dir dabei helfen kann, sag Bescheid.

      Liebe Grüße
      Marcus

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  4. Hi,

    zu gerne würde mich Dein ausführliches Feedback zu Tangaroa interessieren. Da ich das Abenteuer aktuell noch ein wenig überarbeite, nehme ich natürlich gerne Rückmeldungen und Denkanstöße auf. Auch der Hinweis, dass das "Grauen" vielleicht etwas plötzlich kam, ist durchaus gerechtfertigt und schon in Überarbeitung. Melde Dich also gerne einfach mal.

    Schönen Gruß,

    Michael

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    1. Ich werde mich auf jeden Fall bemühen, in den nächsten Tagen möglichst viele Spielberichte mit längeren Fazits zu schreiben. Ich hoffe, ich kriege noch genug Details zusammen, um dem allen gerecht zu werden, immerhin haben die Runden alle sehr viel Spaß gemacht.

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